Sorgen vor neuen Exportbeschränkungen belasten Nvidia und AMD

Ein Bericht über mögliche weitere Exporteinschränkungen dürfte die gut gelaufenen Aktien der US-Halbleiterhersteller Nvidia und AMD am Mittwoch unter Druck setzen.

Ein Bericht über mögliche weitere Exporteinschränkungen dürfte die gut gelaufenen Aktien der US-Halbleiterhersteller Nvidia und AMD am Mittwoch unter Druck setzen. Dem „Wall Street Journal“ (WSJ) zufolge erwägt die Regierung von US-Präsident Joe Biden, die Bestimmungen aus dem vergangenen Oktober für die Ausfuhr von Computerchips nach China zu verschärfen.

Vorbörslich büßten Nvidia 3,5 Prozent auf 404,10 US-Dollar ein. Damit drohen sie weiter von ihrer Rekordmarke von 439,90 Dollar zurückzufallen, auf die sie vor gut einer Woche geklettert waren. Für den bisherigen Jahresverlauf ergäbe das aber immer noch ein Plus von 177 Prozent, womit Nvidia die Gewinnerliste im technologielastigen Auswahlindex Nasdaq 100 anführt.

Ende Mai war die Marktkapitalisierung des Unternehmens erstmals über die Marke von einer Billion Dollar geklettert, wodurch Nvidia Mitglied im exklusiven Club mit den Tech-Riesen Apple, Microsoft, Alphabet und Amazon geworden war. Trotz der jüngsten Verluste hatte sich Nvidia zuletzt knapp über der viel beachteten Billionen-Marke behauptet.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Spekulationen verloren AMD am Mittwoch vorbörslich 3,2 Prozent auf 106,91 Dollar, was für 2023 aber immer noch einen Wertzuwachs um knapp zwei Drittel bedeutet. Vor rund zwei Wochen hatten die Aktien des Prozessorherstellers mit 132,83 Dollar den höchsten Stand seit Februar 2022 erreicht.

Bei den verschärften Bestimmungen soll es insbesondere um leistungsstarke Chips für Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) gehen, schreibt das Blatt unter Berufung auf Insider. Die neuen Bestimmungen dürften aber wohl nicht vor einem China-Besuch von US-Finanzministerin Janet Yellen Anfang Juli umgesetzt werden. Das US-Handelsministerium habe auf eine Bitte um Stellungnahme zunächst nicht reagiert. Gleiches gelte für AMD, während Nvidia eine Stellungnahme abgelehnt habe.

Nvidia habe sich bereits vor einigen Wochen gegen weitere Exportbeschränkungen ausgesprochen, heißt es in einem Händlerkommentar. Die Schweizer Großbank UBS habe zuletzt berechnet, dass China wohl für rund 15 Prozent des Jahresumsatzes von Nvidia bei Datenzentren stehe. Wie viel davon bei neuen Ausfuhr-Einschränkungen auf dem Spiel stünde, sei aber ohne weitere Kenntnis zum Beispiel von Lagerbeständen schwierig einzuschätzen. Außerdem könnten einige Exportlizenzen ja dennoch ausgesprochen werden.

Laut dem „WSJ“-Bericht hatte Nvidia auf die US-Exportbeschränkungen im Oktober mit einer leistungsschwächeren Version seines A100-Hochleistungs-Chips für den chinesischen Markt reagiert, dem A800. Neue Einschränkungen könnten nun aber auch dessen Export nach China einen Riegel vorschieben. Zu AMD verwiesen die UBS-Experten darauf, dass die Geschäfte mit dem neuen Chip MI300 erst im weiteren Jahresverlauf Fahrt aufnehmen sollten.

Das Analysehaus Evercore ISI sieht in möglichen neuen Einschränkungen indes nur „eine bremsende Schwelle auf der KI-Autobahn“, was nichts an der grundsätzlich positiven Sicht auf die Nvidia-Aktie ändere. Noch gebe es keine Details dazu und viele Fragen seien offen. So könnte das Unternehmen Performance-Restriktionen für KI-taugliche Chips mit Modifizierungen in ähnlicher Weise umgehen wie im vergangenen Herbst mit dem A800.(dpa)

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