Protest gegen Online-Händler

Der stationäre Handel macht gegen Etailer mobil: In Hamburg bekleben Ladenbesitzer ihre Schaufenster mit Packpapier und Boykott-Plakaten. Der Handelsverband versucht zu beschwichtigen.

Das Hamburger Grindelviertel protestiert. Nicht etwa gegen kriegerische Auseinandersetzungen oder Menschenrechtsverletzungen, sondern gegen den Online-Handel. Zahlreiche Schaufenster wurden mit Packpapier und Boykott-Plakaten beklebt. Der Onlinehandel beschere den meisten Geschäftsleuten im Viertel große Umsatzeinbußen. „So sieht es im Viertel aus, wenn alle im Internet einkaufen“ war das Motto der Aktion, berichtet das Hamburger Abendblatt. „Wir möchten die Passanten auf zwei Probleme aufmerksam machen“, betont Initiator Jimmy Blum, der an der Hartungstraße einen Secondhandladen betreibt. „Zum einen sollen sie sich fragen, ob sie wirklich alles im Internet bestellen müssen. Und zum anderen, ob sie es wirklich in Ordnung finden, dass wir die bestellte Ware entgegennehmen, wenn der Postbote sie nicht Zuhause antrifft.“ Deshalb weigern sich die Geschäftsleute in dieser Woche, Pakete für ihre Nachbarn anzunehmen.

Der Einzelhandelsverband Nord, der neben Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern auch für Hamburg zuständig ist, sieht die Protestaktion ambivalent. „Wir raten dem stationären Handel, sich mit dem Internet auseinanderzusetzen“, so Verbands-Chefin Monika Dürrer. Man solle sich nicht „gegenseitig ausgrenzen“. Dürrer beziffert den Umsatzanteil des Online-Handels in ihrer Region auf 7,5 Prozent. Im Weihnachtsgeschäft seien es „12 bis 15 Prozent“. Laut dem Branchenverband Bitkom planen insgesamt 37 Prozent aller Bundesbürger Weihnachtsgeschenke im Internet zu bestellen. Das entspricht rund 26 Millionen Menschen. Rund jeder siebte Deutsche (15 Prozent) gibt sogar an, seine Präsente überwiegend online kaufen zu wollen. Die Händler im Grindelviertel wollen den Protest jedenfalls vorerst fortsetzen. 

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