Viele Unternehmen in Deutschland nutzen einer Umfrage zufolge bereits generative KI – deutlich weniger haben ihre Beschäftigten aber in der Nutzung solcher Anwendungen geschult. Das geht aus Daten hervor, die das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag des TÜV-Verbands erhoben hat. Demnach setzen 56 Prozent der befragten Unternehmen generative KI-Tools wie ChatGPT, Gemini, Claude oder Copilot im Arbeitsalltag ein. 50 Prozent der Befragten sehen zudem einen hohen oder sehr hohen Weiterbildungsbedarf beim Thema KI. Allerdings sagten nur 27 Prozent der Befragten, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihres Unternehmens bereits entsprechende Weiterbildungen besucht hätten.
«Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen längst im Arbeitsalltag angekommen, aber der Kompetenzaufbau hält mit der Nutzung nicht Schritt», sagte Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands. «Wer KI produktiv und sicher einsetzen will, muss gezielt in die Qualifizierung der Beschäftigten investieren.»
Große Unternehmen sehen mehr Bedeutung in KI
Auffällig ist der Blick auf die Größe der Unternehmen: Große Organisation mit mehr als 250 Beschäftigten nutzen den Daten zufolge deutlich häufiger bereits generative KI, sehen häufiger einen Weiterbildungsbedarf und setzen diesen auch vielfach um. Fast jedes zweite Großunternehmen (49 Prozent) hat bereits geschult. Deutlich niedriger ist der Anteil bei mittleren Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten (32 Prozent). In kleinen Unternehmen mit 20 bis 49 Beschäftigten liegt er bei nur 21 Prozent. «Angesichts der Bedeutung von Künstlicher Intelligenz geht der Kompetenzaufbau insbesondere im Mittelstand nur langsam voran», sagte Bühler. Die Unternehmen sollten mehr in KI-Schulungen investieren und Fortbildungen von der Politik stärker gefördert werden.
Große Mehrheit betont Bedeutung von Weiterbildung
Für die Umfrage hat Forsa Unternehmen in Deutschland ab 20 Mitarbeitern befragt. Die 500 Unternehmen wurden nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählt und ihre Antworten zwischen dem 26. Januar und dem 11. März mit Hilfe computergestützter Telefoninterviews eingeholt. Befragt wurden Verantwortliche für Weiterbildung, Geschäftsführer, Vorstände und Vorstandsvorsitzende. Laut Forsa ist die Umfrage repräsentativ für Unternehmen ab 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Die Unternehmen betonen in der Umfrage mehrheitlich eine große Bedeutung von Weiterbildung. 87 Prozent ist die Weiterbildung von Mitarbeitenden eher wichtig oder sehr wichtig, 75 Prozent gaben an, Möglichkeiten zur Weiterbildung stünden allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern offen. Eine schriftlich fixierte Weiterbildungsstrategie verfolgen aber nur 29 Prozent der befragten Unternehmen.
«In wirtschaftlich angespannten Zeiten wird Weiterbildung oft zurückgestellt. Genau das ist der Fehler. Gerade jetzt liegt die Chance darin, freie Kapazitäten gezielt für Qualifizierung zu nutzen», sagt Bühler. «Wer heute in KI-, Digital- und Cyberkompetenzen investiert, verschafft sich morgen den entscheidenden Vorsprung.» (dpa)


