Start-up-Gründungen legen wieder zu – Boom um KI hilft

Gestiegene Zinsen, Inflation, knauserige Geldgeber: Die deutsche Start-up-Branche hat schwierige Zeiten erlebt. Nun werden wieder mehr Firmen gegründet - vor allem in einem Bereich.

Nach kräftigen Rückgängen werden wieder mehr Startups in Deutschland gegründet. Im ersten Halbjahr 2024 entstanden 1384 neue Jungfirmen, wie eine Analyse des Startup-Verbands zeigt, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das waren 15 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2023 und rund 7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. «Der deutliche Anstieg der Neugründungen zeigt, dass der Unternehmergeist in Deutschland stark ist», sagt Helmut Schönenberger, stellvertretender Vorsitzender des Startup-Verbands. Nach dem Rückgang Mitte 2022 deute sich nun ein positiver Trend an.

Boom bei Software-Start-ups

Vor allem der Software-Bereich treibt die Branche an, zeigt die Studie, für die die Analysefirma Startupdetector Handelsregisterdaten ausgewertet hat. Mit 302 Gründungen, ein Plus von 35 Prozent, entfiel jedes fünfte neue Start-up auf die Software-Branche – ein Rekord. Darin spiegle sich die zunehmende Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Unternehmenswelt wider, so der Startup-Verband. Vor allem der Chatbot ChatGPT hat einen Hype um KI ausgelöst. Insgesamt legten die Gründungszahlen der Erhebung zufolge in fast allen Branchen zu, besonders im Online-Handel (plus 36 Prozent), während es in den Branchen Lebensmittel und Medizin eine Stagnation gab.

Start-ups hatten in der Corona-Pandemie von einem Digitalisierungsschub und damals niedrigen Zinsen profitiert. Lieferdienste und Finanzbroker etwa erlebten einen Boom. Doch mit den gestiegenen Zinsen, Konjunktursorgen und dem Ukraine-Krieg wurden Investoren zurückhaltender. Viele Start-ups kamen schwerer an Geld und mussten Jobs abbauen.

Neugründungen wachsen auch abseits der Gründer-Hotspots

Unter den Regionen lagen laut der Studie Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen bei den Gründungszahlen vorn. Vor allem in NRW (plus 25 Prozent) und Berlin (plus 28 Prozent) gab es ein deutliches Plus. Berlin und München bleiben die Gründer-Hochburgen hierzulande – auf sie entfallen mehr als ein Viertel aller Startup-Neugründungen im Land (26 Prozent).

Nicht nur die großen Gründermetropolen, sondern auch viele kleinere Städte und Regionen legten bei den Gründungen zu, heißt es. Mit Aachen, Darmstadt und Heidelberg befinden sich drei forschungsnahe Standorte unter den stärksten Gründer-Städten pro Kopf. Die zunehmende Bedeutung der Regionen zeige «das Potenzial, das in Deutschlands Breite schlummert», sagt Felix Engelmann, Co-Gründer von Startupdetector. (dpa)

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