Nach einem Anstieg um fast die Hälfte binnen vier Wochen gibt es bei SAP am Mittwoch weitere Gewinnmitnahmen. In den vergangenen beiden Handelstagen hatten die Titel schon etwas nachgegeben, doch nun nahm die Korrektur nochmals Fahrt auf wegen einer aufgegebenen Kaufempfehlung der UBS und negativen Branchenvorgaben aus den USA.
Bis zu 4,7 Prozent verloren die SAP-Titel im Tagestief an Wert. Am Nachmittag wurden sie dann noch 3,7 Prozent niedriger gehandelt. Mit 178,60 Euro näherten sie sich von oben der 21-Tage-Linie, über der sie einen Monat lang gestanden hatten. Die zuletzt erzielten Kursgewinne des Dax wurden von dem deutschen Schwergewicht auch etwas gebremst.
Die Sorge, dass KI für gestandene Softwarekonzerne wie SAP zu einer Bedrohung werden könnte, hatte die Aktien bis Juli schwer belastet. Darauf folgte dann zuletzt eine Erholung des Kurses um 48 Prozent, die aber offenbar an ihre Grenzen gekommen ist. Der UBS-Experte Michael Briest schrieb zwar, die Bewertung sei vernünftig, die Anlegerstimmung bleibe allerdings fragil. Er senkte sein Votum auf «Neutral» mit dem Verweis, dass der Aktie unmittelbare Kurstreiber in Verbindung mit der KI fehlten.
Laut Briest liefert SAP immer noch eine Kernarchitektur in Unternehmenssoftware, die Integration agentischer KI verlaufe jedoch schleppend. Dies begrenze nicht nur die Monetarisierung, sondern erhöhe auch das Risiko, dass Unternehmen nach anderen KI-Lösungen suchen. Zudem hält Briest eine Verlangsamung beim Current Cloud Backlog CCB, also den vertraglich abgesicherten Cloud-Umsätzen, im zweiten Halbjahr für das wahrscheinlichste Szenario.
Briest bevorzugt im Sektor die Aktien von Amadeus IT, die sich am Mittwoch an der Madrider Börse im Plus bewegten und damit etwas besser schlugen als Software-Aktien in der Breite. Unter den deutschen Branchenwerten gaben die Titel von Nemetschek und Teamviewer im Schlepptau von SAP um bis zu 2,4 Prozent nach.
Negativ hinzu kam, dass die Sektorstimmung auch in den USA wieder getrübt wird von den Unternehmen Intuit und Zoom Communications, deren Papiere vorbörslich um 9,5 respektive sieben Prozent absackten wegen enttäuschender Ausblicke. In den USA sanken daraufhin auch die Aktien von Salesforce und Adobe um bis zu 2,4 Prozent.
Dem entziehen konnte sich im vorbörslichen New Yorker Handel aber Oracle mit einem Anstieg um 1,1 Prozent. Der Citigroup-Analyst Tyler Radke betonte, der historische Ausverkauf der Aktien bringe für Anleger eine Chance mit sich. Der von ihm verliehene Status «Positive Catalyst Watch» spiegelt in einem Zeitraum von 90 Tagen seine Erwartung positiver Kurstreiber wider. Der Oracle-Kurs hatte im Juli ein Tief seit Mai 2024 erreicht. (dpa)





