Frauen in Digitalberufen weiterhin stark unterrepräsentiert

IT- und Digitalberufe sind zukunftsträchtig und werden gut bezahlt. Doch dort sind Frauen vergleichsweise selten zu finden. Das hat auch mit Vorurteilen zu tun, die sich hartnäckig halten.

Die Verantwortlichen in der deutschen Wirtschaft sehen in dem vergleichsweise geringen Frauenanteil in IT- und Digitalberufen zwar grundsätzlich ein Problem, unternehmen aber nicht genug, um diesen Missstand zu beseitigen. In einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom unter 605 Firmen mit mindestens 200 Beschäftigten sagten knapp zwei Drittel (64 Prozent), ohne Frauen in Digital- und IT-Berufen verspielt die deutsche Wirtschaft ihre Zukunft.

In fast allen deutschen Unternehmen (94 Prozent) sind der Umfrage zufolge weniger als die Hälfte der IT- und Digitalstellen weiblich besetzt. Geht es dagegen um den allgemeinen Frauenanteil unter den Beschäftigten deutscher Unternehmen, sind in nur 64 Prozent der Unternehmen weniger als die Hälfte weiblich.

Frauen bringen neue Ideen ein

Von einem höheren Frauenanteil versprechen sich die Unternehmen nicht nur eine Linderung des Fachkräftemangels. 88 Prozent der Unternehmen sagen, dass zum Beispiel gemischte Teams zu einem besseren Betriebsklima beitragen. 81 Prozent sagen, dass Frauen neue Sichtweisen und Ideen in das Unternehmen einbringen. 77 Prozent erkennen auch eine positive Außenwirkung. Und 68 Prozent sagen, dass gemischte Teams aus Männern und Frauen auch die Produktivität und Kreativität in den Unternehmen fördern.

Die Umfrageergebnisse zeigen allerdings auch Defizite bei der Erhöhung des Frauenanteils auf. In zwei von fünf Unternehmen ist niemand für Frauenförderung zuständig. Und nur 37 Prozent der Unternehmen haben sich interne Ziele gesteckt, um den Frauenanteil speziell in den IT- und Digitalberufen zu erhöhen. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder kritisierte diese Zurückhaltung: «Gute Absichten reichen oft nicht aus, erst klar definierte Ziele und Verantwortlichkeiten sorgen für Bewegung.» Um sich zukunftsfähig und resilient aufzustellen, müssten Unternehmen die Gewinnung von Frauen strategisch angehen.

Hartnäckige Klischees

Der Bitkom registrierte in seiner Studie aber auch, dass zum Teil hartnäckige Vorurteile gegenüber Frauen in IT- und Digitalberufen vorhanden sind: 39 Prozent der befragten Unternehmen sagen, dass Männer einfach besser geeignet seien für IT- und Digitalberufe. Rohleder trat dieser Ansicht entschieden entgegen: «Das ist ganz erstaunlich, weil gerade IT- und Digitalberufe einen stark kommunikativen Aspekt haben.» Dort, wo es technischer werde, bewege man sich «sehr nah an der Mathematik». Und in den mathematischen Studiengängen seien Frauen in der Mehrzahl. «Wo hier der generische Vorteil von Männern herkommen soll, das erschließt sich uns nicht. Aber das Klischee ist vorhanden, und es hält sich.» (dpa)

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