Plattner verteidigt Abgang von Jennifer Morgan

SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner hat das Ausscheiden der ersten Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns nach nur wenigen Monaten verteidigt.

SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner hat das Ausscheiden der ersten Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns nach nur wenigen Monaten verteidigt. Im April hatte die Amerikanerin Jennifer Morgan die SAP-Vorstandsspitze nach nur rund sechs Monaten wieder verlassen. «Wir haben sie nicht wegen ihres Geschlechts in die Rolle befördert», sagte Plattner in einer Videogrußbotschaft zur Hauptversammlung des Walldorfer Konzerns am Mittwoch. «Da ihr Geschlecht keine Rolle bei der Auswahl spielte, durfte es auch keine Rolle bei ihrem Austritt spielen.» Die Berufung von Morgan an die Vorstandsspitze hatte Schlagzeilen gemacht. Bei der Ernennung nach dem überraschenden Abgang von Ex-Chef Bill McDermott habe er noch gedacht, die Doppelspitze von Morgan mit dem nun allein amtierenden Christian Klein sei das ideale Führungsmodell, sagte der 76-jährige Plattner. «Doch die Diskussionen um die Strategie der SAP sind seit Jahresbeginn langsamer vorangekommen als gedacht», sagte er.

Auch die Covid-19-Pandemie habe dazu beigetragen. «Und wir können es uns nicht leisten, uns durch interne Differenzen zu lähmen», fügte der Aufsichtsratschef an. «Zum Wohle unseres Unternehmens und unserer Kunden haben wir deshalb entschieden, dass wir einen einzigen Vorstandssprecher brauchen, der uns durch diese Zeit führt.» Bereits in einem Interview mit dem «Handelsblatt» hatte Plattner angedeutet, dass sich die zugekauften Konzernteile für die Software zur Nutzung über das Internet (Cloud) – mehrheitlich US-Firmen – zuletzt weiter von der deutschen Zentrale in Walldorf entfernt hatten. Vor allem um diesen Bereich hatte sich Morgan aus den USA heraus kümmern sollen, während Klein nach dem Amtsantritt den Fokus auf einen einheitlicheren Produktauftritt bei den Kunden lenken sollte. Die Verzahnung der verschiedenen Softwarelösungen gilt im Konzern nach starker Kundenkritik als derzeitige Hauptaufgabe. (dpa)

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