Der US-Chipriese Nvidia hat eine Untersuchung zu Berichten eingeleitet, dass Firmenchef Jensen Huang zum Ziel ausländischer Spionageaktivitäten geworden sei. Die Untersuchung solle von Mitgliedern des Verwaltungsrates und externen Ermittlern geführt werden, teilte Nvidia mit.
In den vergangenen Tagen hatte es Medienberichte gegeben, wonach Huang ein Verhältnis zu einer Frau gehabt habe, die nach Vermutungen von US-Sicherheitskreisen vom chinesischen Geheimdienst angeworben worden sei. Huang bestätigte in einer E-Mail an die Nvidia-Beschäftigten, dass er eine Affäre gehabt habe. «Ich schulde meiner Familie und Euch allen eine Entschuldigung», schrieb er. «Ich war meiner Frau untreu.» Das Ehepaar ist seit gut 40 Jahren verheiratet.
Zuvor hatte die «Financial Times» von der Liebesbeziehung berichtet. In einer ersten Reaktion von Nvidia auf die Berichte hatte es vor einigen Tagen noch geheißen, es handele sich um gewöhnliche Kontakte zu einer Vertreterin eines Nvidia-Kundenunternehmens. Die in Medienberichten genannte Frau war bei der Firma Megaspeed beschäftigt, die Nvidia-Chips gekauft hatte.
Nvidia hält an Huang fest
Während man derzeit keinen Grund zur Annahme habe, dass Geschäftsgeheimnisse von Nvidia oder die Nationale Sicherheit der USA kompromittiert worden seien, werde die Untersuchung allen verfügbaren Informationen nachgehen, hieß es in der Stellungnahme des Verwaltungsrates. Das Gremium habe weiterhin Vertrauen in Huang und dessen Führungsmannschaft. Der 63-Jährige ist ein führender Mitgründer von Nvidia.
Gesicht des KI-Wandels
Nvidia ist ein Schlüsselunternehmen für den KI-Boom. Chips der Firma aus Santa Clara im Silicon Valley dominieren in Rechenzentren bei Training und Betrieb Künstlicher Intelligenz. Huang profilierte sich als Gesicht des KI-Wandels – bei Konferenzen der Firma und anderen öffentlichen Auftritten predigt er unermüdlich die weltverändernde Rolle Künstlicher Intelligenz in allen Lebensbereichen. Die Milliardengewinne investiert Nvidia zum Teil in die Unterstützung von KI-Start-ups – die damit wiederum Chips des Konzerns kaufen. Huang baute in den vergangenen Jahren zudem ein enges Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump auf.
Differenzen bei China-Politik
Zwischen Huang und der US-Regierung gab es immer wieder Differenzen über Beschränkungen für die Lieferung moderner KI-Chips nach China. Der Nvidia-Chef argumentiert, Verbote schadeten der Dominanz von Nvidia und damit auch der Vorreiter-Rolle der USA, weil sie die Entwicklung eigener Technologie in China beschleunigen würden. Die US-Regierung versucht dagegen seit Jahren, chinesische Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz durch die Blockade der Lieferungen von Hochleistungschips unter anderem von Nvidia zu bremsen. (dpa)






