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Montag, Februar 16, 2026

Neue Chefs gesucht: 40 Prozent der Firmen reif für Übergabe

Die Suche nach einer Unternehmensnachfolge fordert viele Inhaber im Mittelstand heraus. Eine Studie zeigt, welche Branchen besonders betroffen sind - und warum es oft schwierig ist.

Viele Unternehmer in Deutschland suchen eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Knapp 40 Prozent der mittelständischen Betriebe hierzulande sind laut einer Analyse der Wirtschaftsauskunftei Creditreform potenziell reif für die Übergabe. Das heißt: Mindestens ein Inhaber oder eine Inhaberin sind älter als 60 Jahre, sodass in den kommenden Jahren eine Übergabe erforderlich ist.

Die Nachfolgesuche sei häufig schwierig, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Mittelständische Betriebe seien stark durch ihre Inhaber geprägt, die enge Bindung mache die Übergabe zu einem komplexen Vorhaben.

«Oft beschäftigten sich Firmen zu spät mit der Planung. Viele finden keinen geeigneten Nachfolger», so der Experte. Die Folge: Unternehmer arbeiten häufig weiter und gehen erst im hohen Alter in den Ruhestand.

Dienstleistungsbranche besonders betroffen

Creditreform bezieht sich in der Studie nur auf Betriebe, die älter als zehn Jahre sind, 5 bis 500 Beschäftigte und eine für den Mittelstand typische Rechtsform wie GmbH haben. Berücksichtigt wurden Firmen, bei denen natürliche Personen als Gesellschafter einen Anteil von mindestens 50 Prozent halten. Hantzsch zufolge sind 145.000 der gut 373.400 Unternehmen reif für die Übergabe.

Besonders groß ist die Dringlichkeit demnach in der Dienstleistungsbranche. Hier sind mit rund 53.000 die meisten Unternehmen betroffen. Auch im Handel (37.000) und im verarbeitenden Gewerbe (27.500) steht in vielen Betrieben in den nächsten Jahren ein Wechsel in der Geschäftsführung an.

Hantzsch sieht weitere Gründe für die Nachfolgelücke – wie Fachkräftemangel, die demografische Entwicklung und eine veränderte Arbeitsmentalität. «Für viele, insbesondere junge Menschen, scheint die Verantwortung für ein Unternehmen und die Mitarbeiter in diesen Zeiten zu hoch zu sein.» Immer mehr zögerten, das steigende unternehmerische Risiko einzugehen.

Im schlimmsten Fall verschwinden Betriebe vom Markt

Hantzsch warnt vor Konsequenzen. «Im schlimmsten Fall werden diese Betriebe dann einfach stillgelegt und verschwinden vom Markt.» Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern in NRW erwartet jedes zehnte Unternehmen keine Nachfolge zu finden und bereitet sich auf eine Stilllegung vor.

In einigen Bundesländern gibt es Initiativen für die Nachfolgesuche. Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium schaltete kürzlich ein Portal frei, um über vorhandene Unterstützungsangebote zu informieren.

An einigen deutschen Universitäten und Hochschulen gibt es auch Studiengänge zum Thema Unternehmensgründung und -nachfolge, zum Beispiel in Berlin, Deggendorf, Münster, München und Sankt Augustin. (dpa)

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