Digitale Wirtschaft übertrifft Automobilindustrie deutlich

Mehr als 15 Millionen Jobs hängen inzwischen an digitalen Geschäftsmodellen - und die meisten Unternehmen sind keine Tech-Giganten, sondern Mittelständler.

Die Digitalwirtschaft hat sich zu einem der stärksten wirtschaftlichen Pfeiler in Deutschland entwickelt und stellt traditionelle Industriezweige mittlerweile deutlich in den Schatten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) und des Mannheimer Forschungsinstituts ISTARI.AI. Demnach erwirtschaftet die Digitalwirtschaft hierzulande eine jährliche Bruttowertschöpfung von 481,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von knapp zwölf Prozent (11,91 Prozent) an der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung.

Digitalwirtschaft wiegt schwerer als der Automobilbau

Damit wiegt das digitale Segment volkswirtschaftlich mehr als doppelt so schwer wie die deutsche Leitbranche Automobilbau, deren Anteil an der Bruttowertschöpfung laut Daten des Statistischen Bundesamtes üblicherweise bei rund 4,5 bis 5 Prozent liegt. Bezieht man neben den digitalen Kernbereichen auch Unternehmen klassischer Sektoren ein, die sich bereits tiefgreifend digital transformiert haben, summiert sich die digital geprägte Wertschöpfung sogar auf über 1,01 Billionen Euro. Das macht mehr als ein Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik aus.

1,4 Millionen Unternehmen analysiert

Für den Report analysierten die Forscher die Webpräsenzen und Geschäftsaktivitäten von rund 1,4 Millionen Unternehmen, um sie unabhängig von oft veralteten statistischen Branchencodes nach ihrer tatsächlichen Tätigkeit einzustufen. Die digitale Wirtschaft umfasst demnach rund 229.000 Unternehmen. Davon zählen 63.000 Betriebe mit rein digitalen Produkten wie Software oder Plattformen zur Kernwirtschaft, die rund 192 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Weitere 166.000 Unternehmen mit digital getriebenen Geschäftsmodellen wie dem reinen Online-Handel steuern knapp 289 Milliarden Euro bei. Rechnet man die 124.000 digitalisierten Betriebe aus klassischen Branchen hinzu, betreibt fast jedes vierte Unternehmen in Deutschland digitale Wertschöpfung.

Starker Mittelstand und Millionen Beschäftigte

Zugleich widerlegt die Untersuchung das Bild, die Digitalwirtschaft bestehe vor allem aus marktbeherrschenden US-Konzernen. Rund 95 Prozent der erfassten Firmen seien kleine und mittlere Unternehmen, womit der Sektor stark mittelständisch geprägt sei. Zudem sicherten der digitale Kern und die digital getriebenen Geschäftsmodelle rund neun Millionen Arbeitsplätze; unter Einbezug der transformierten Branchen seien es sogar mehr als 15 Millionen.

BVDW-Präsident Dirk Freytag forderte vor dem Hintergrund der Ergebnisse eine politische Neuausrichtung. Digitalpolitik müsse als Wirtschaftspolitik verstanden werden, da digitale Wertschöpfung die Basis künftiger Wettbewerbsfähigkeit bilde. Deutschland brauche bessere Rahmenbedingungen für Datennutzung, Skalierung und Investitionen, um das Potenzial des Sektors voll auszuschöpfen. (dpa)

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