Bericht: Behörden ignorieren Sicherheitsbedenken bei Windows 10

Behörden kaufen Betriebssysteme und Büroanwendungen überwiegend bei Microsoft. Doch es gibt mittlerweile erhebliche Bedenken. Zudem würden kritische Fragen von Microsoft völlig ignoriert werden.

Im vergangenen Jahr sorgte Microsoft mit massiven Sicherheitslücken für Schlagzeilen. Der Erpressungstrojaner WannaCry legte weltweit nicht nur Firmen, sondern auch Behörden lahm. Dennoch kaufen Bund, Länder und Kommunen Betriebssysteme und Büroanwendungen überwiegend bei Microsoft. Und mehr noch: Recherchen vom Computermagazin c’t, dem rbb und dem Journalistenteam Investigate Europe hätten gezeigt, dass Behörden mit Sicherheitsbedenken nicht transparent umgehen und bei Nachfragen Antworten schuldig bleiben, teilte das Computermagazin mit. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) habe gegenüber der Bundesregierung bereits im Jahr 2014 erhebliche Bedenken gegen die Nutzung von Microsoft-Produkten in der staatlichen Verwaltung vorgebracht, heißt es weiter. Das gehe aus einem als vertraulich eingestuften, 29 Seiten langen Vermerk der Behörde für das Bundesinnenministerium hervor, über den c’t und der rbb gemeinsam mit dem Journalistenteam Investigate Europe berichten.

Demnach beklagte das BSI, dass seine Sicherheitsanfragen an Microsoft «teilweise gar nicht mehr oder nur mit großer Verzögerung beantwortet« würden. «Insbesondere für Microsoft mutmaßlich unangenehme Fragen« würden «in aller Regel völlig ignoriert«, stellten die amtlichen Experten für Cybersicherheit fest und mahnten eine vertraglich gesicherte Kooperation des Konzerns an. Gleichzeitig forderte die Behörde eine Fülle von technischen Änderungen, um die Daten der Bürger vor fremden Zugriff zu schützen. Ob und wie die Forderungen des BSI erfüllt wurden, wollen und können die Verantwortlichen allerdings nicht offenlegen. Peter Batt, IT-Direktor des Bundes im Bundesinnenministerium, räumte ein, dass die Umsetzung des BSI-Katalogs zunächst nicht wie gefordert mit dem seit 2015 laufenden Rahmenvertrag vereinbart, sondern erst später «nachverhandelt« worden sei. Die näheren Details seien beim BSI zu erfragen, doch hier wollte man mit Hinweis auf «vertrauliche Vereinbarungen« keine Auskunft geben.

«Solange Windows und sein Office-Paket in Deutschlands Behörden als alternativlos wahrgenommen werden und die allermeisten Fachanwendungen für den Einsatz auf Microsoft-Systemen gestrickt sind, wird es die ‚digitale Autonomie‘ so schnell nicht geben«, sagt c’t-Redakteur Urs Mansmann. Am Montag, 19. Februar 2018 um 22:55 Uhr, wird die Dokumentation „Das Microsoft-Dilemma – Europa als Software-Kolonie“ (rbb/WDR) von Harald Schumann und Árpád Bondy in der ARD ausgestrahlt.

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