Nachdem vorsichtige Signale von Bechtle die Aktien bereits im Februar auf Talfahrt geschickt hatten, hat sich der Kursrutsch am Freitag nach dem konkreten Ausblick beschleunigt. Die Papiere des IT-Dienstleisters tauchten um bis zu 17,5 Prozent ab auf 24,80 Euro. Erst auf dem tiefsten Niveau seit sieben Jahren fanden sich wieder zaghafte Käufer im Bereich der einfachen Durchschnittslinie der vergangenen 200 Monate – einem extrem langfristigen Trendbarometer. Da hatten die Aktien seit den Geschäftszahlen im Februar insgesamt über 40 Prozent verloren.
Im Februar hatte Bechtle die Anleger darauf eingestellt, dass die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen herausfordernd bleiben. Was nun an Zielvorgaben folgte, fiel einem Börsianer zufolge ernüchternd aus. Die Neckersulmer erklären ihre Vorsicht vor allem mit der kritischen Versorgungslage bei Speicherchips. Aktuell sei es wegen der Liefersituation und der Preisentwicklung auf dem Markt von Speicherchips seriös, keine konkreten Szenarien für den Jahresverlauf zu machen, erklärte Konzernchef Thomas Olemotz.
„Wir haben uns entschieden, vorbehaltlos mit offenen Karten zu spielen“, sagte er. Derzeit gebe es täglich und nächtlich Gespräche mit allen Herstellern rund um Lieferzeiten, Mengen und Preise. Bechtle sei aktuell zwar „grosso modo“ lieferfähig, die Preise für Speicherchips allerdings seien in den vergangenen Wochen sprunghaft gestiegen. Zudem verlängerten sich die zugesagten Lieferzeiten zusehends. Die Prognose will das Management daher in kürzeren zeitlichen Abständen überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Zur Jahresmitte ist laut Olemotz mit mehr Klarheit zu rechnen.
Laut Martin Comtesse, Analyst der Investmentbank Jefferies, hängt das Wachstum in dem äußerst vorsichtigen Absatzszenario momentan völlig von der Preisentwicklung ab – überschattet von der Frage, ob die Kunden bei zweistelligen Preiserhöhungen überhaupt zu Investitionen bereit seien. (dpa)





