Stabilisierung im Chipsektor bleibt aus

Die Gewinnmitnahmen im Chipsektor sind am Mittwoch international weiter gegangen. Sorgen wegen steigenden Marktzinsen prägten von Asien über Europa bis in die USA weiter das Branchenbild.

Die Gewinnmitnahmen im Chipsektor sind am Mittwoch international weiter gegangen. Sorgen wegen steigenden Marktzinsen prägten von Asien über Europa bis in die USA weiter das Branchenbild. Den Auslöser dafür sieht die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in steigenden Anleiherenditen und der damit größer werdenden Frage, ob die angekündigten KI-Investitionen in einem Umfeld steigender Finanzierungskosten Bestand haben.

Im asiatischen Handel war der Kurs des koreanischen Chipriesen SK Hynix zunächst um fast zehn Prozent abgerutscht. Das Unternehmen versuchte dann nach dem Börsenschluss in Seoul, die Stimmung mit der Ankündigung eines 29 Milliarden Dollar schweren Aktienrückkauf-Pakets zu verbessern. Sorgen gab es in Asien auch um die Finanzlage des Investors Softbank, der laut einem Medienbericht Pläne für die Ausgabe neuer Anleihen schmieden soll, um seine KI-Ambitionen zu finanzieren.

Ebenso wenig beruhigend wirkte eine Partnerschaft im Bereich der Chip-Entwicklung, die zwischen Google und dem US-Unternehmen Marvell Technology geschlossen wurde. Der unter dem Dach von Alphabet firmierende Suchmaschinenriese erhält im Zuge dessen eine Optionsvereinbarung zum Kauf von Aktien im Wert von etwa 12 Milliarden Euro. Analysten zufolge geht die Kooperation zulasten von Broadcom, dessen Aktien mehr als vier Prozent verloren.

Die in Europa und den USA gehandelten Anrechtsscheine von SK Hynix zeigten sich zuletzt zwar etwas stabilisiert, doch in der Breite blieb eine Erholung internationaler Chipkonzerne aus. In New York ragte nur Marvell Technology mit dem Kurssprung um mehr als neun Prozent heraus. Titel von Micron gaben dort um 0,4 Prozent nach. Der Nvidia -Kurs legte zuletzt um 0,3 Prozent zu.

In Europa schlossen die Titel des Chipkonzerns Infineon knapp vier Prozent tiefer. Der Kurs näherte sich damit dem tiefsten Stand seit Ende Juli, als es in der Tech-Branche schon einmal Verwerfungen gegeben hatte. Auch bei den deutschen Chipausrüstern Aixtron und Suss Microtec sowie dem Wafer-Lieferanten Siltronic gaben die Kurse nach.

Gerade Technologiewerte gelten als sehr zinssensitiv, unter anderem wegen umfangreich fremdfinanzierter Investitionen. Einen vielleicht rettenden Umstand sieht der Marktexperte Stephen Innes darin, dass der Markt einen Großteil der spekulativen Überhitzung im Sektor bereits während des Einbruchs im Juli bereinigt haben dürfte. Damit sollte eine Talfahrt, sollte sie denn weiter gehen, nicht ganz so heftig werden.

Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen hatte zuletzt das höchste Niveau von 2007 erreicht. „Da lässt sich die Kostenfrage kaum noch ausblenden“, so Innes. Unangenehm werde die Sachlage auch deshalb, weil KI inzwischen vielleicht selbst dazu beitrage, ihre eigenen Finanzierungskosten in die Höhe zu treiben. Die Hyperscaler mit ihren Rechenzentren konkurrierten nämlich mit Regierungen um langfristiges Kapital. Für den Sektor sei dies „ein fataler Rückkopplungseffekt“. Generell bleibe die KI-Story aber intakt, so Innes weiter. (dpa)

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