Milliarden-Deal: Open Text will Micro Focus übernehmen

Ein Übernahmeangebot mit einer enormen Prämie hat am Freitag die Anleger von Micro Focus in Feierlaune versetzt.

Ein Übernahmeangebot mit einer enormen Prämie hat am Freitag die Anleger von Micro Focus in Feierlaune versetzt. Der Kurs des Software-Spezialisten sprang an der Londoner Börse um 93,5 Prozent nach oben auf 518,40 Pence. Das kanadische Unternehmen Open Text ist dazu bereit, 532 Pence je Aktie zu zahlen. Micro Focus unterstützt die Offerte mit einem Preis, der quasi doppelt so hoch ist wie der Vortages-Schlusskurs von 268 Pence.

Mit der Übernahme, die das Zielobjekt mit 5,1 Milliarden Pfund bewertet, wurde die nächste Bieterrunde für ein britisches Tech-Unternehmen binnen weniger Tage eingeläutet: Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der französische Elektrotechnikkonzern Schneider Electric eine Komplettübernahme des Softwarekonzerns Aveva erwägt.

Wie es am Markt hieß, ist der günstige Wechselkurs des britischen Pfund derzeit verlockend, sodass er europäische Firmen speziell für nordamerikanische Interessenten attraktiv macht. „Da sich das Pfund jetzt auf Schnäppchenniveau befindet, sehen wir, dass der Appetit auf Übernahmen steigt“, sagte Analyst James Hughes von Scope Markets. Dies signalisiere einen gewissen Optimismus für die längerfristigen Aussichten britischer Konzerne und die Vorstellung, dass Investoren wieder etwas risikofreudiger werden.

Des einen Freud, des anderen Leid: Nachdem die Aktien der Open Text Corp. am Vorabend in Toronto bei 48,14 kanadischen Dollar aus dem Handel gegangen waren, wurden sie nun vorbörslich deutlich unter Druck gesehen. Im Vorab-Handel an der US-Technologiebörse Nasdaq betrug der Abschlag 8,5 Prozent.

In der breiteren Software-Branche verpuffte die anfangs noch von Börsianern für möglich gehaltene Konsolidierungsfantasie teilweise: Die Aktien der großen deutschen Software-Schmieden entwickelten sich unterschiedlich. Die Titel von SAP waren noch positivem Start zuletzt mit 0,6 Prozent ins Minus abgerutscht, jene der Software AG allerdings verblieben mit knapp einem halben Prozent dezent im Plus. (dpa)

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