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06.06.2015 | Distribution

Distribution

Tech Data: «Wir sind noch nicht am Ziel»

Tech Data sorgt mit der Übernahme eines US-Dienstleisters für Aufsehen. Wir sprachen mit TD-Chef Michael Dressen über einen Zukauf in Deutschland, den Cloud-Marktplatz und den Wettbewerb unter den Broadlinern.


Von: Redaktion ChannelObserver

TD-Chef Michael Dressen im Interview mit ChannelObserver

Tech Data sorgte in den USA mit der Übernahme der Signature Technology Group (STG) für Diskussionen. Die Firma erbringt Dienstleistungen für Rechenzentren und professionelle Services für Unternehmen in Nordamerika. Partner des Grossisten befürchteten, dass der Distributor nun direkte Beziehungen mit Endkunden eingeht, ohne dass ein Systemhaus involviert wird. «Der Großteil der Erlöse von STG lief bereits über den Channel. Zahlreiche Reseller in den USA hatten in der Vergangenheit entsprechende Geschäfte mit dem Dienstleister abgewickelt», betont Michael Dressen, Geschäftsführer für Deutschland und Österreich bei Tech Data, im Gespräch mit ChannelObserver. Nur ein geringer Umsatzanteil der STG würde über Endkunden erwirtschaftet. Für die US-Gesellschaft sei dies eine «notwendige Akquisition» gewesen, um das Service-Geschäft zu stärken. Dabei sollen diese Dienstleistungen künftig im Auftrag der Partner erbracht werden. Eine vergleichbare Übernahme in Deutschland sei dagegen nicht vorgesehen, zumindest vorläufig nicht. «Für den deutschen Markt haben wir derzeit keine entsprechenden Pläne. Wir sind mit der Azlan viel stärker im VAD-Geschäft präsent als die US-Gesellschaft», so Dressen. Ausschließen möchte Dressen einen Zukauf allerdings nicht, wenn man eine Firma findet, bei der Preis und Geschäftsmodell stimmen.

Während die Broadline-Wettbewerber Also und Ingram Micro bereits Cloud-Marktplätze in Deutschland am Start beziehungsweise angekündigt haben, war es diesbezüglich bei Tech Data vergleichsweise ruhig. Doch auch in der Münchener Tech Data-Zentrale wird mit Hochdruck an einem Cloud-Marktplatz gearbeitet. «Wir gehen mit Pilotkunden noch in diesem Monat an den Start. Zu unserem Kongress wollen wir die End-to-End-Lösung unseren Besuchern vorstellen», kündigt der Deutschland-Chef an. Der Cloud-Marktplatz sei eine «Top-Lösung», auf der zum Launch nicht nur zwei oder drei Hersteller vertreten sein werden. Es sei allerdings keine triviale Aufgabe, einen Cloud-Marktplatz in der Distribution auf den Weg zu bringen, da beispielsweise die eigenen IT-Systeme mit denen der Hersteller aufeinander abgestimmt werden müssten.

Überhaupt sieht Dressen die Konkurrenz-Situation in der Broadline-Distribution gelassen. Zuletzt sorgte ein Ranking für Aufsehen, dass die 30 größten deutschen Distributoren nach Umsatz aufführt. Ingram Micro führt die Liste mit einem Jahresumsatz von 5 Milliarden Euro an, dahinter folgen Also (3,64 Milliarden Euro) und Tech Data (2,2 Milliarden Euro). Die Reihenfolge sei «wohl korrekt», führt Dressen aus. Allerdings sei der Umsatz von Ingram Micro möglicherweise etwas zu hoch geschätzt, obwohl das Unternehmen durch die Akquisition von Brightpoint einen großen Sprung gemacht habe. Einen großen Sprung habe man selbst in punkto Profitabilität gemacht. Zuletzt stieg im ersten Quartal das Betriebsergebnis (Non-GAAP) in Europa deutlich von 23,8 Millionen auf 29,6 Millionen Dollar. «Wir freuen uns über den Riesensprung, den wir gemacht haben. Allerdings sind wir noch nicht am Ziel», betont der Manager. Er begründet die positive Entwicklung unter anderem mit dem «Einmaleins in der Distribution.» Weniger profitable Geschäfte würden reduziert und durch bessere Kontrakte ersetzt werden.


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