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13.02.2019 | Distribution

Distribution

TD-Chef: «Amazon ist keine Gefahr für die Distribution»

Amazon stellt keine Gefahr für die Distribution dar, berichtet uns Tech Data-Chef Michael Dressen. Der Broadline-Bereich laufe nach dem Ausstieg aus dem Geschäft mit Consumer-PCs besser.


Von: Redaktion ChannelObserver

TD-Chef Michael Dressen

Mittlerweile kaufen viele Reseller bis zu 30 Prozent der Waren über Online-Händler wie Amazon, berichten Marktforscher wie Context. Dadurch würden die etablierten Distributoren unter Druck gesetzt. Eine Meinung, die Michael Dressen, DACH-Chef von Tech Data, nicht länger teilt: «Amazon stellt keine Gefahr für die IT-Distribution dar, eher für die stationären Retailer», so Dressen im Gespräch mit ChannelObserver. Herausforderungen für die Distribution sieht der Manager in anderen Bereichen: So nehme die Konzentration auf Herstellerseite, vornehmlich mit Apple und Microsoft, zu. Tech Data erwirtschaftet immerhin 17 Prozent seiner weltweiten Erlöse mit dem iPhone-Hersteller. «Es ist allerdings normal, dass in der Distribution ein Großteil des Umsatzes mit wenigen Herstellern gemacht wird», räumt Dressen ein. Allerdings nehme auch die Konsolidierung auf Kundenseite zu, damit müssten sich die Großhändler zurechtfinden. «Ein Broadliner erwirtschaftet den Großteil seiner Erlöse mit rund 100 Kunden», führt der DACH-Chef aus.

Tech Data hatte zuletzt im dritten Quartal den weltweiten Umsatz um 11 Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar steigern können. In Europa stiegen die Erlöse um 9 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Ohne detaillierte Zahlen zu nennen, spricht Dressen von einem «guten Wachstum» auch in Deutschland. Die Änderungen im Geschäftsmodell hätten sich allerdings eher auf den Gewinn als auf die Erlöse ausgewirkt. «Hier ist natürlich zuerst die erfolgreiche Integration der Avnet zu nennen. In diesem Fall hat Eins und Eins nicht Zwei, sondern sogar Drei ergeben», so Dressen. Auch im Broadline-Geschäft laufe es besser als in der Vergangenheit. Ein Faktor sei der schrittweise Ausstieg aus dem Geschäft mit Conumer-PCs und -Notebooks gewesen. Diese Entscheidung hätte viele Experten überrascht, sei aber die richtige Maßnahme gewesen. Der Fokus auf den Commercial-Bereich habe auch im Volumen-Geschäft für bessere Erträge gesorgt. Das Broadline-Segment steht in der DACH-Region mittlerweile für weniger als 50 Prozent der Erlöse von Tech Data. Dies sei ein Indiz, dass bei dem Unternehmen jetzt ein Schwerpunkt auf dem Value-Segment liege.

Die Marktforscher von Context hatten kürzlich konstatiert, dass sich das Wachstum in der europäischen IT-Distribution in diesem Jahr abschwächen wird. Eine Meinung, die der Distributionsprofi teilt. «Das große Wachstum sehe ich derzeit nicht», unterstreicht Dressen. Produktbereiche wie beispielsweise Drucker, PCs oder Notebooks würden nicht länger zulegen. Wachstumsbereiche wie IoT, Cloud oder Security würden derzeit noch einen geringeren Anteil an den Distributionserlösen ausmachen. Die Konsolidierung in der IT-Distribution werde in Folge künftig weitergehen. «Auch größere Akquisitionen sind nach wie vor möglich. Die großen Distributionen stehen zusammen für rund 70 Prozent des Umsatzes im Channel. Dieser Anteil wird sich künftig sogar erhöhen.» Doch ihren Stellenwert werde die Distribution auch in den kommenden Jahren beibehalten: «Viele Hersteller versuchen es erst einmal direkt und landen dann doch wieder bei der Distribution. Wir haben schließlich den direkten Kontakt zum Handel.»


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