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30.08.2019 | Distribution

Systemhäuser

So sieht die Lage bei Cancom aus

Seit dieser Woche gehört Cancom definitiv zu den Aufsteigern. Das Unternehmen steigt in den MDax auf. Was bei Cancom los ist, was die Aktie macht und was die Analysten sagen.


Von: Redaktion ChannelObserver

Thomas Volk

Nicht nur der Aktienkurs kennt seit Monaten nur die eine Richtung - nach oben. Seit dieser Woche gehört der IT-Dienstleister Cancom definitiv zu den Aufsteigern: Weil der Medienkonzern Axel Springer im Zuge der Übernahme durch den Finanzinvestor KKR den MDax verlässt, stieg das Münchener Unternehmen auf. Doch nicht nur an der Börse ist der Cloud-Spezialist derzeit erfolgreich, nach dem Chefwechsel im vergangenen Jahr laufen die Geschäfte wie am Schnürchen. Was bei Cancom los ist, was die Aktie macht und was die Analysten sagen.

DIE LAGE DES UNTERNEHMENS: Die Strategie von Cancom-Chef Thomas Volk scheint zu fruchten. Der Manager hatte im vergangenen Oktober das Ruder übernommen, nachdem der Unternehmensgründer und langjährige Vorstandschef Klaus Weinmann wenige Wochen zuvor sein Amt vorzeitig niedergelegt hatte. Zur Mitte August präsentierten Halbjahresbilanz konnte Volk stolz die Prognosen für das Gesamtjahr erhöhen. Cancom rechnet inzwischen mit einem "sehr deutlichen" Wachstum aller Kennzahlen wie etwa Umsatz oder den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Zuvor war noch von "deutlich steigend" die Rede gewesen. Optimistischer wird Cancom, weil die ersten sechs Monate richtig gut liefen: 40 Prozent Umsatzplus und beim bereinigten operativen Ergebnis ein Zuwachs von 24 Prozent. Trotz aller konjunkturellen Unsicherheit laufen die Geschäfte bei IT-Systemhäusern wie Bechtle und Cancom derzeit rund. Der umsatzmäßig dreimal größere Konkurrent hatte zwar im Juni seine Wachstumsziele eingedampft, doch gab auch Bechtle sich zuletzt wieder sehr optimistisch. Denn die IT-Dienstleister profitieren von der zunehmenden Digitalisierung von Unternehmen.

Cancom bietet IT-Infrastruktur und -Lösungen. Bei der Umstellung in den Firmen auf vernetztes und internetbasiertes Arbeiten ist dies derzeit gefragt. Cancom als ihr Partner berät die Kunden bei der Umsetzung und betreibt die IT-Systeme. Cancom-Chef Volk will das Unternehmen stärker auf das Cloud-Geschäft ausrichten und hatte dafür bereits viel Geld in die Hand genommen. Tatsächlich sind Cloud-Lösungen ein wichtiger Umsatztreiber des Unternehmens. Für sie schließt der IT-Dienstleister - im Gegensatz zum projektbasierten Geschäft - mit seinen Kunden Mehrjahresverträge ab. Im ersten Halbjahr kletterten die Erlöse im Cloud-Bereich um fast ein Viertel. Die IT-Lösungen kamen mit fast einem Drittel auf ein noch größeres Wachstum. Während es im eigenen Hause rund läuft, schaute Volk Schwierigkeiten wie etwa dem bevorstehenden Brexit in den vergangenen Monaten gradlinig ins Auge: Durch die Übernahme von zwei britischen Unternehmen zielte er auf einen Stützpunkt in Großbritannien ab, um internationale Kunden von dort noch besser bedienen zu können. Ende Juli wurde die neue Zentrale von Cancom UK in London eröffnet.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN: Von den fünf Analysten, die sich nach den Quartalszahlen im August zum Unternehmen geäußert haben, ist die Mehrheit trotz des Kursanstiegs weiter optimistisch und empfiehlt das Papier zum Kauf. Im Schnitt liegt das Kursziel der Experten aber mit 53,88 Euro nur noch wenig über dem aktuellen Kurs. Nur Martin Jungfleisch von KeplerCheuvreux schert aus und rät derzeit zum Halten der Papiere. Er hält die Aktie inzwischen für zu hoch bewertet. Allerdings erkennt auch er die ungebrochenen Wachstumstreiber für die Branche an, und hält es zudem für möglich, dass Cancom mit seinem Fokus auf höhermargige Dienste langfristig profitieren kann. Wolfgang Specht vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe überzeugt derzeit vor allem das Stehvermögen des Unternehmens. Cancom halte sich in dem sich abkühlenden Wirtschaftsklima recht gut, schrieb er in einer zur Wochenmitte veröffentlichten Studie. Der Experte geht davon aus, dass Cancom dank neuer Kunden und Wachstumsinitiativen seinen Umsatz weiter solide ankurbeln kann. Specht hob sein Kursziel deshalb um 8 Euro auf nunmehr 57 Euro an. Damit gehört er nun zu jenen Experten, die der Aktie am meisten zutrauen.

Optimistisch ist Tim Wunderlich von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. "Die durchschnittlichen Marktschätzungen für 2019 sollten noch Luft nach oben haben", schrieb er nach der Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen. Beim Experten hat der IT-Dienstleister insbesondere mit der Anhebung der Jahresziele einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Dies impliziere, dass sich die Entwicklung für das zweite Halbjahr gut vorhersagen lasse.

DAS MACHT DIE AKTIE: Die Ergebnisse des zweiten Quartals ließen die Anleger Ende Juli jubeln. Die Cancom-Aktien zogen daraufhin auf ein neues Rekordhoch bei 55,40 Euro. Letztlich brachten sie am Bilanztag mehr als zwölf Prozent über die Ziellinie - gleich in den Tagen darauf wurde zumindest ein Teil der Gewinne aber wieder versilbert. Doch mit einem aktuellen Kurs von mehr als 54 Euro hat die Cancom-Aktie ihren Haltern seit Jahresbeginn bereits einen ansehnlichen Wertzuwachs im Depot beschert - der Kurs hat seitdem um gut 80 Prozent zugelegt. Damit bringt es Cancom gleich auf einen Schlag unter die besten MDax-Werte, in deren Reihen die Aktie nunmehr aufgestiegen ist. Auch längerfristig muss sich die Aktie nicht verstecken. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Kurs der Cancom-Aktie mehr als verdreifacht - gleichwohl mussten die Anleger dafür auch Durststrecken überdauern: So erreichte die Aktie im vergangenen Jahr Höchststände bei über 52 Euro. Bis zum Jahresende ging es dann aber genau so steil wieder herunter, weil sich die Zahlen für die Analysten noch nicht so lasen wie erwartet. Außerdem hatte sich der Markt an der Höhe der Investitionen in das Cloud-Geschäft gestört. Dazu kam dann noch der Chefwechsel. In der Folge ging es bis Jahresbeginn 2019 auf nur noch knapp 27 Euro herunter. Danach begann die Aufholjagd. Mit einer Marktkapitalisierung von inzwischen 1,9 Milliarden Euro hat sich der Abstand zu Bechtle zwar verringert, doch selbst nach dem jüngsten Kursrückgang der Bechtle-Aktie hat das Unternehmen aus Neckarsulm mit einem Marktwert von derzeit 3,8 Milliarden Euro noch deutlich die Nase vorn. (dpa)


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