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16.10.2020 | Etail

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Prozess um Darknet-Cyberbunker beginnt


Von: Birgit Reichert, dpa

Warum haben die Ermittler fast fünf Jahre gebraucht, bis sie zuschlugen? «Weil es sehr aufwendig war, nachzuweisen, dass die Betreiber Kenntnis von den Machenschaften ihrer Kunden hatten», sagt Angerer. Das sei aber zentral gewesen, um sie wegen Beihilfe anklagen zu können. Gelungen sei es über die Überwachung des Netzknotens im Rechenzentrum. Unter anderem anhand von Chats könne man belegen, dass die kriminelle Vereinigung von den Machenschaften wusste und diese durch die Bereitstellung der Server «maßgeblich unterstützt und gefördert» habe. Wieviel IT war im Ex-Bunker der Bundeswehr? Die bei dem Zugriff sichergestellte Datenmenge unter anderem auf 886 physischen und virtuellen Servern umfasst zwei Millionen Gigabyte: Auf CD gebrannt wären das 2,6 Millionen CDs, die aufeinander gestapelt eine Höhe von 8000 Metern ergäben, hatte Kriminalhauptkommissar Patrick Fata vom Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz erklärt. Einige physische und virtuelle Server seien noch «voll verschlüsselt». Die Auswertung der Server läuft noch. «Ja, wir sind noch dran und es wird auch noch dauern», sagt Angerer. Nach einer Grobauswertung ist das jetzige Verfahren auf sieben Tatkomplexe beschränkt. Es könne aber sein, dass nach der «Feinauswertung» der Computer weitere Anklagen wegen neuer Beihilfe-Taten auf die Bande zukämen.

Die Daten der kriminellen Kunden des Cyberbunkers würden daraufhin geprüft, ob sie zum Nachweis von Straftaten reichten, sagt der Oberstaatsanwalt. Es gebe auch schon weitere Verfahren, die sich aus dem Cyberbunker-Komplex ergeben hätten. «Sie sind gerade angelaufen. Da sind wir noch in der verdeckten Phase.» Es seien «durchaus potente Kunden» darunter. Das «Bunkerverfahren» ist nach Angaben des Landgerichts Trier bis Ende 2021 jeweils auf montags und donnerstags terminiert - Feiertage ausgenommen. Wegen der Corona-Pandemie sind im Gerichtssaal nur 23 Sitzplätze für Besucher zugelassen, darunter elf für Medienvertreter. Am ersten Prozesstag könnte zunächst die 40-seitige Anklage verlesen werden.

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