ChannelObserver

ChannelObserver

Das Online-Portal für die ITK-Branche


11.11.2019 | Retail

Retail

Pop-up-Stores kommen immer mehr in Mode

Ein Schraubenhersteller direkt neben hippen Modegeschäften? Immer mehr sonst in Industriegebieten beheimatete Firmen drängen mit Versuchs-Geschäften in die Innenstädte.


Von: Redaktion ChannelObserver

Mitten auf der Stuttgarter Haupteinkaufsstraße ein Blick zur Seite, und für einen kleinen Moment fühlt man sich ins Industriegebiet versetzt. Denn ein Geschäft will so gar nicht in das dichte Innenstadtgedrängel passen. Umringt von Shopping-Centern, Modegeschäften, Restaurants, Cafés und Straßenmusikern hat der Schraubenhersteller Würth hier eine Außenstelle errichtet. In der kann man neben ein paar Handwerkerutensilien Überraschendes erwerben: Alltagskleidung, Sporttaschen, Socken, Regenschirme, Geschirr, Bücher, Kinder-Malsets oder USB-Ladegeräte. Der Handelskonzern bezeichnet seinen Laden auf der Stuttgarter Königsstraße schlicht als «Family Store». Der Shop dient als eine Art Innenstadt-Versuchslabor und soll helfen, neue Zielgruppen abseits von Handwerkern und der Industrie zu erschließen. «Wir möchten die Marke Würth in das Bewusstsein der Endverbraucher rücken», heißt es vom Unternehmen, das weltweit gut 77 000 Menschen beschäftigt und seine Kernprodukte sonst ausschließlich an Handwerk-Profis verkauft. Wer keinen Gewerbeschein hat, sondern nur zu Hause ein bisschen heimwerken will, kann regulär weder online noch in einer der bundesweit gut 500 Firmen-Verkaufsniederlassungen einkaufen. Das ist im «Family Store» anders, hier kann jeder beherzt zugreifen. Das Angebot an klassischen Handwerkerprodukten ist in der Innenstadt allerdings äußerst übersichtlich - und gibt den Kunden allenfalls eine vage Idee davon, mit welchen Artikeln Würth seinen Jahresumsatz von mehr als 13 Milliarden Euro erwirtschaftet. Zahlen zu seinen Geschäften in der Innenstadt nennt Würth nicht, aber um Margensteigerungen geht es hier sowieso nicht. Es handele sich bei dem Laden primär um eine Marketingaktion, sagt Marketingforscher Sascha Alavi von der Ruhr-Universität Bochum. Die Markenbekanntheit solle erhöht werden.

Mit dieser Idee ist Würth längst nicht allein unterwegs. Vor allem sogenannte Pop-up-Stores kommen branchenübergreifend immer mehr in Mode. Unternehmen aller Art eröffnen in angesagten Innenstadtgegenden meist für begrenzte Zeiträume boutiqueähnliche Läden, in der sich nur eine Mini-Auswahl des Warenangebots findet. Dafür wird aber - wie bei Würth - großer Wert auf ein aufgelockertes, hippes Ambiente gelegt. «Unternehmen haben damit die Möglichkeit, ein modernes, innovatives Image zu transportieren», sagt Alavi. Auch Kundennähe und Modernität könnten so gut vermittelt werden. «Das Geschäftsmodell ist allerdings begrenzt auf große, finanzstarke Unternehmen, die von einer hohen Markenbekanntheit stark profitieren würden.» Im Heimwerkersektor haben sich etwa schon die Baumarkt-Ketten Toom und Hagebau an Pop-up-Stores auf Zeit versucht. Hagebau eröffnete zwischen Mai und August in Mühlheim an der Ruhr einen Innenstadt-Shop auf nur 50 Quadratmetern, bot den Kunden kleinere Mitnahmeartikel, Auslaufware sowie Werbeware an und warb mit Produktvorführungen in eigener Sache. Man müsse neue Zielgruppen erschließen, ohne die alten aus dem Auge zu verlieren, sagt ein Hagebau-Sprecher. «Wir glauben, das ist hier kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-als-auch.»

<< Erste < Vorherige 1 2 Nächste > Letzte >>

comments powered by Disqus