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15.01.2015 | Etail

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PC Fritz: Verbleib von sechs Millionen Euro unklar

Das zweite Verfahren gegen den Online-Händler PC Fritz hat begonnen: Der Verbleib von mindestens sechs Millionen Euro ist unklar. Hohe Haftstrafen drohen.


Von: Jan Schumann

Der zweite Prozess vor dem Landgericht Halle hat begonnen (Foto: Schumann)

Der Skandal um den Online-Händler PC Fritz ist nun Gegenstand eines zweiten Gerichtsverfahrens. Seit Dienstag läuft der Prozess gegen den vermeintlichen Chef des Unternehmens und drei weitere Angeklagte. Sie sollen rund neun Millionen Euro mit dem Verkauf von raubkopierten Windows-Versionen verdient haben. Das PC-Betriebssystem wurde über anderthalb Jahre hinweg zum Dumpingpreis von 19,90 Euro verkauft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Quartett auf rund 3.000 Seiten Anklageschrift Urheberrechtsverletzungen und gewerbsmäßigen Betrug vor. Die Windows-DVDs sollen aus ausländischen Presswerken stammen, größtenteils aus der Ukraine. Sie waren nicht von Microsoft lizensiert. Die fraglichen Verkäufe werden auf den Zeitraum zwischen November 2012 und April 2014 datiert. Im Falle einer Verurteilung drohen den Angeklagten Haftstrafen in Höhe von bis zu 15 Jahren. Die vier Beschuldigten werden von einer Riege aus acht Verteidigern begleitet.

Unklar ist, was mit einem Großteil des Gewinns passiert ist: Der Zollbeamte, der federführend die Ermittlungen im Komplex PC Fritz leitete, sagte am Mittwoch vor Gericht, er habe keine Erkenntnisse über den Verbleib von mindestens sechs Millionen Euro. Die beschlagnahmten Firmendokumente ließen dem Ermittler zufolge viele Fragen der Unternehmens-Buchhaltung bei PC Fritz offen. Für den 31-jähren angeklagten Berliner, der als De-Facto-Chef die Geschäfte von PC Fritz geführt haben soll, ist es bereits das zweite Verfahren im PC-Fritz-Fall. Der Mann steht in bereits einem ersten Prozess wegen Steuerbetrug vor Gericht. Das Urteil in dem älteren Landgericht-Verfahren wird für den 17. Februar erwartet.

Erneut nicht angeklagt ist der damals eingetragene PC-Fritz-Geschäftsführer Maik Mahlow. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte er mit der Geschäftsabwicklung nichts zu tun. Mahlow beteuerte zuletzt, als ahnungsloser „Strohmann“ fungiert zu haben. Nach mehreren Razzien hatte er gegenüber der Polizei zu Geschäftspraktiken bei PC Fritz ausgepackt und im ersten Verfahren als Kronzeuge ausgesagt. Auch in dem nun begonnen Prozess wird er als Zeuge geführt.

 

 


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