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08.04.2015 | Hersteller

Management

Flexibles Arbeiten: Erleichterung oder Stressfaktor?

Flexible Arbeitszeitmodelle werden immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Großkonzerne kommen kaum an solchen Angeboten vorbei. Doch Freiheit kann auch ein Fluch sein.


Von: Redaktion ChannelObserver

Morgens die Kinder schnell in die Kita bringen und dann am heimischen Computer das Meeting mit den Chefs verfolgen. Am Abend nach dem Abendessen noch einmal Mails checken und die letzten Details im Vertrag mit dem Geschäftspartner in den USA klären - und alles ohne Überstunden?  Flexible Arbeitszeitmodelle werden mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit. Der Technikkonzern Bosch hat im vergangenen Jahr eigens eine Betriebsvereinbarung dazu geschlossen, selbst in der Fertigung werden familienfreundliche Schichten angeboten. Daimler will in diesem Jahr seine Mitarbeiter befragen, um sein Angebot an flexiblen Arbeitszeitmodellen - zumindest außerhalb der Produktionshallen - auszubauen. Der Softwarekonzern Microsoft setzt seit Jahren auf möglichst wenig starre Regeln. Dort nutzen inzwischen mehr als 90 Prozent der 3.000 Mitarbeiter räumlich oder zeitlich flexible Arbeitszeitmodelle. Laut einer Untersuchung des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) an der Uni Bamberg unter den 1.000 größten Unternehmen in Deutschland gelten flexible Arbeitszeitmodelle und Home Office neben Weiterbildung als Top Maßnahme gegen Probleme bei der Besetzung neuer Stellen. Bewerber fordern Vereinbarkeit von Familie und Beruf inzwischen fast selbstverständlich ein. Doch es zeigen sich auch Schattenseiten: Während man bei den befragten Firmen davon ausgeht, dass flexible Arbeitszeiten die Produktivität der Mitarbeiter durchaus erhöht, gilt das nicht unbedingt für räumlich verteiltes Arbeiten.

Kann die Arbeitszeit dagegen völlig frei gewählt werden, das zeigten Analysen von Daten aus Deutschland und Europa, führe das häufig zu Arbeitsintensivierung und Überstunden, sagt Yvonne Lott, Arbeitsmarktforscherin bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Insbesondere Menschen, die sich stark mit ihrem Job identifizieren, seien gefährdet. «Die Debatte verschiebt sich wieder in Richtung Kontrolle», sagt Lott. «Virtuelles Arbeiten wird nicht in die Wiege gelegt. Das muss man lernen», erläutert Microsoft-Personalchefin Elke Frank. Von Kontrolle will sie nichts wissen, stattdessen sieht sie drei Bedingungen, dass die schöne neue Arbeitswelt funktioniert. «Klare Zielvereinbarung, klare Regeln und die Kommunikation muss passen.» Es brauche feste Zeiten, in denen sich das Team und Vorgesetzte auch in der Realität treffen können. Denn ohne persönlichen Kontakt - auch ein Ergebnis der Arbeitsmarktforscher an der Uni Bamberg - wird ständige Abwesenheit als Risiko für die Karriere gewertet.

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