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08.01.2013 | Distribution

Reaktion auf Focus-Berichterstattung

Devil: „keine illegalen Aktivitäten“

Distributor Devil nimmt in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen im „Focus“ Stellung: Der Grossist distanziert sich von illegalen Aktivitäten. Eine Vielzahl der deutschen ITK-Distributoren sei von Ermittlungen betroffen.


Von: Redaktion ChannelObserver

Devil CEO Grotjahn

Der Focus berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über ein kriminelles Firmenkartell, das den Fiskus systematisch abgezockt haben soll: Produkte wurden nur auf dem Papier verkauft, die 19 Prozent Umsatzsteuer zu Unrecht einkassiert. „Auf der Verdächtigenliste befinden sich so illustre Namen wie Axel Grotjahn“, so der Focus weiter, „der Braunschweiger Konzern (Devil, Anm. der Redaktion) gilt in den Augen der Ermittler als eines der zentralen Elemente in dem Geflecht aus Echt- und Scheinfirmen.“ Nach den Erkenntnissen der Ermittler sei die Devil AG an dem bandenmäßigen Betrug seit 2009 beteiligt gewesen (ChannelObserver berichtete). 

In einer Stellungnahme an ChannelObserver kritisiert die Devil AG die im Nachrichtenmagazin geäußerten Vorwürfe: Devil räumt ein, im Juni 2012 von einer Durchsuchung der Staatsanwaltschaft Augsburg betroffen gewesen zu sein. Hintergrund der Durchsuchung seien Ermittlungen gegen ein europaweites, von Belgien beziehungsweise England aus operierendes Umsatzsteuerkarussel. Im Rahmen des Vorgehens der Staatsanwaltschaft seien im Juni 2012 ungefähr 30 Personen verhaftet worden. Aufgrund der Handelsströme und starken Vernetzung der Branche seien eine Vielzahl der deutschen ITK-Distributoren von den Ermittlungen betroffen. 

„Die Darstellung des Magazins Focus in seiner Ausgabe vom 07.01.2013 bildet den aktuellen Erkenntnisstand nicht ab“, so Devil. Die Darstellung beruhten offensichtlich aus einzelnen „aus dem Zusammenhang genommenen Auszügen von Beschlüssen aus Mai/Juni 2012 ohne Berücksichtigung des aktuellen Verfahrensstandes“. Der in dem Bericht genannte Sachverhalt beruhe im Wesentlichen auf dem Einkauf bei einem von mehr als 250 Lieferanten des Unternehmens.

„Die Devil AG distanziert sich ausdrücklich von allen illegalen Aktivitäten, einschließlich der Steuerhinterziehung. Die in dem Focus-Artikel geschilderten Machenschaften sind aus Sicht der Devil AG sowie ihrer Verantwortlichen verwerflich und nicht zu tolerieren.“

Nach derzeitigem Kenntnisstand wären Vorlieferanten von einzelnen Lieferanten des Grossisten sowie eventuell einzelne ausländische Kunden des Unternehmens in ein Umsatzsteuerkarussell eingebunden. 

Man selbst habe zu keinem Zeitpunkt Ware von irgendwelchen „missing tradern“ gekauft. Bei dem betroffenen Lieferanten handelte es sich um ein seit langen Jahren am Markt aktives Unternehmen, bei dem keinerlei Anhaltspunkte für eine Einbindung in Karussellgeschäfte vorlagen. 

Der Vorwurf, dass Devil „IT-Kleinteile an ausländische Scheinfirmen weitertransferiert habe“, habe sich nicht bestätigt. Keiner der ausländischen Kunden habe sich als Scheinunternehmen herausgestellt. Devil habe auch zu keinem Zeitpunkt „Computerkomponenten oder Spielkonsolen zum Schein gehandelt“ oder „manipulierte Umsatzsteuererklärungen beim Finanzamt eingereicht“. 

Darüber hinaus habe die Staatsanwaltschaft Augsburg auch keinen dringenden Tatverdacht gegen den Vorstandsvorsitzenden Axel Grotjahn bejaht. 

Der Distributor sei in dem Strafverfahren durch die Anordnung eines dinglichen Arrestes sowie die Beschlagnahme diverser Waren betroffen gewesen. Der dingliche Arrest sei im Juli 2012 durch das Oberlandesgericht München durch Beschluss aufgehoben worden. Die bei der Durchsuchung beschlagnahmte Ware sei aufgrund Beschlusses des Landgerichts Augsburg wieder herausgegeben worden. Es bestünden damit keine strafprozessualen Maßnahmen gegenüber Devil mehr.

Ein einzelner Mitarbeiter des Einkaufs, und nicht, wie fälschlich berichtet, der „Verkaufsleiter“, befinde sich derzeit noch in Untersuchungshaft. Dieser Mitarbeiter war für den Einkauf bei dem betroffenen Lieferanten zuständig. Der Großhändler habe das Arbeitsverhältnis mit diesem Mitarbeiter im Rahmen einer Verdachtskündigung beendet. 

Das Fazit von Devil: Die Gesellschaft gehe wegen der Widersprüche zu ihr bekannt gewordenen Ermittlungsergebnissen davon aus, dass die Darstellung des Focus nicht auf Angaben der Staatsanwaltschaft Augsburg basiere.

 


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