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05.02.2015 | Distribution

Interview

„Der Begriff ‚Systemhaus‘ hat ausgedient“

Horst Nadjafi, Gründer der ACP IT Solutions AG, nimmt im Interview zum Begriff „Systemhaus“ Stellung und erinnert sich an den treffendsten Slogan eines IT-Dienstleisters.


Von: Redaktion ChannelObserver

Horst Nadjafi, Gründer der ACP IT Solutions AG

Horst Nadjafi, ehemaliger Vorstandsvorsitzender und Gründer der ACP IT Solutions AG und heutiger Vorstand der nasdo AG, stellt sich der Frage, ob der Begriff „Systemhaus“ heute ausgedient hat. Ein Interview zur erforderlichen Umorientierung in der Branche.

Was war der treffendste Slogan eines IT-Dienstleisters, den Sie in Ihrer Karriere gehört haben?

Nadjafi: Ein Slogan, der mir im Gedächtnis geblieben und vielleicht heute aktueller denn je ist, lautet: „Ihre EDV-Aufgaben möchten wir haben, weil es unser Job ist!“ Oder auch: „Ihre EDV-Sorgen sind unser Job.“ Freilich spricht man heute immer weniger von EDV und Aufgaben, aber der Slogan bringt es dennoch gut auf den Punkt.

Inwiefern?

Nadjafi: Die gesamte Branche durchlebt einen rasanten Wandel. Es gibt immer komplexere Prozesse, die es mit Hilfe digitaler Medien abzubilden gilt. Auf der anderen Seite steigt auch die Zahl der Antworten durch die IT. Der Service rund um die IT, sprich, den Kunden zu versehen, zielführend und umfassend zu beraten und zu betreuen, ist heute wichtiger denn je.

Sie sprechen von „umfassender Betreuung“ und davon, dass die Beratung immer mehr in den Vordergrund rückt. Würden Sie sagen, dass damit der Begriff „Systemhaus“ ausgedient hat?

Nadjafi: Das kann man so pauschal nicht sagen, das muss jedes Unternehmen für sich selbst beantworten. Der Begriff „IT-Systemhaus“ suggeriert jedoch für viele Endkunden „Hardware“. Für sehr viele Hardware-orientierte Systemhäuser mag der Begriff noch immer seine Berechtigung haben. Für Unternehmen, die ihre – wie ich finde heute unabdingbare – Serviceorientierung mehr in den Vordergrund stellen wollen, ist es sicher nicht mehr die richtige Begrifflichkeit.

Und diese wäre? IT-Dienstleister?

Nadjafi: Für uns ist besonders die Frage, wie der Kunde effektiver und intelligenter arbeiten kann, zentral. Dafür braucht er in der Regel heute nicht mehr viel eigene Hardware. Härter formuliert: Der Kunde darf die Technik gar nicht mehr merken. Was aber zunehmend wichtiger wird, ist das Gesamtpaket, die Dienstleistungen. Sprich, die genaue Analyse der abzubildenden Prozesse und ganzheitliche Beratung und Betreuungen mit zielführenden Lösungen. Dazu muss man perfekt die Prozesse des Kunden verstehen. Wir sprechen hier intern auch vom „Business Prozess-Versteher“. Beim Begriff „Dienstleister“ schwingen für mich diese Aspekte mehr mit. Wenn Sie mich jetzt vor die Wahl stellen, würde ich den Begriff „IT-Dienstleister“ definitiv präferieren, denn er suggeriert dem Kunden eher, dass er das findet, was er sucht.

Worauf sollten IT-Dienstleister bei ihrer Außenkommunikation achten?

Nadjafi: Um einen Aspekt hervorzuheben: Eine zielgruppengerechte Kommunikation ist das A und O. Was mir noch immer auffällt ist, dass viele Channel-Unternehmen in unserer Branche lediglich die IT-Verantwortlichen adressieren. Doch immer mehr Geschäftsführer und Fachabteilungen treffen heute besonders im Mittelstand im Alleingang Investitionsentscheidungen, rein nach ihren Business-Prozessen, wenn es um IT geht. Diese Manager verstehen die Prozesse ihres Unternehmens und ihres Bereichs am besten und sollten daher auch entsprechend angesprochen werden. CIOs spielen oft nur noch eine untergeordnete Rolle. Sonst droht ganz klar Schatten-IT.

Was sollten also Systemhäuser, beziehungsweise IT-Dienstleister, hier unternehmen?

Nadjafi: Eigene Landingpages auf den Homepages der Channel-Unternehmen, die sich genau mit den Fragen und Sorgen der neuen Zielgruppen beschäftigen, wären eine Idee. Auch Events zum Thema oder spezielle Ratgeber und veränderte Schulungen des Vertriebs wären denkbar. Der Channel muss sich diesem Trend stellen.

Würden Sie sagen, dass der CIO an Macht verliert?

Nadjafi: Die Branche wandelt sich. Einerseits bleiben IT und folglich Technikverständnis nach wie vor sehr wichtig. Andererseits müssen Anwendungen heute möglichst nah auf die Prozesse in den Unternehmen zugeschnitten und dabei flexibel und sicher sein. In vielen Firmen wird daher neben dem CIO eine neue Management-Position nötig sein: Die des Chief Digital Officers (CDO). Dieser Manager schafft die Schnittstelle zwischen Unternehmensprozessen und Technik. Vielleicht könnte es man so resümieren: Die Position des IT-Leiters steht vor einer Spaltung: Offene CIOs, die mit ihrem Management- und Prozessverständnis glänzen, haben die Chance, sich zum CDO weiterzuentwickeln. Zu technikaffinen IT-Verantwortlichen kommt sonst künftig die reduzierte Rolle des Infrastrukturmanagers, im besseren Falle aber die Rolle des „Brokers“ von Outsourcing-Lösungen, zu.

 

 

 

 


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