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19.05.2020 | Hersteller

Telekommunikation

10 Jahre LTE: Noch lange nicht obsolet

Schon vor zehn Jahren wurde der «Datenturbo» im Mobilfunk versprochen. Damals endete die Versteigerung der Frequenzen für die neuen LTE-Netze.


Von: Christoph Dernbach, dpa

Das LTE-Zeitalter im Mobilfunk begann vor zehn Jahren mit einem Marketing-Trick: Die Provider priesen die neue Technologie mit dem sperrigen Namen «Long Term Evolution» (LTE) vollmundig als «vierte Mobilfunkgeneration (4G)» an. Das war aber ein wenig gemogelt. Offiziell wurde LTE nämlich nur als Weiterentwicklung der dritten Generation (UMTS) angesehen und als «3.9xG-Standard» eingestuft. Den Ritterschlag als «4G» erhielt LTE erst vier Jahre später mit der technischen Erweiterung «Advanced LTE». Für die Anwender spielten die Spitzfindigkeiten der Gremien aber kaum eine Rolle, denn sie wollten einfach nur ein Mobilfunknetz, das nicht so lahm ist. Doch bis sie die Vorteile der neu definierten LTE-Netze nutzen konnten, dauerte es noch. Zunächst lieferten sich die Provider Deutsche Telekom, Vodafone sowie O2 und E-Plus, die damals noch nicht unter dem Dach der Telefónica vereint waren, vier Monate lang ein Bietergefecht um die notwendigen Funkfrequenzbereiche. Aber auch nach der Zuteilung der LTE-Frequenzen am 20. Mai 2010 durch die Bundesnetzagentur mussten sich die Anwender noch etliche Monate gedulden. Der damalige Telekom-Chef René Obermann nahm im August 2010 in Kyritz (Brandenburg) den ersten Sendemast in Betrieb, der mit LTE ausgestattet ist. Auch Vodafone aktivierte bald darauf die ersten LTE-Stationen auf dem Land etwa im sächsischen Rammenau.

LTE-taugliche Smartphones waren damals aber noch Mangelware: Erst im Spätsommer 2011 präsentierte Vodafone auf der IFA in Berlin mit dem Velocity 4G von HTC und dem Samsung Celox die ersten LTE-Mobilgeräte. Kunden von Apple mussten sogar bis zum Herbst 2012 warten, bis mit dem iPhone 5 das erste LTE-Gerät mit einem Apfel-Logo verfügbar war. Der schleichende Start des LTE-Netzes für das Massenpublikum in Deutschland hatte aber auch mit den politischen Vorgaben zu der Lizenzvergabe zu tun. Die Provider mussten nämlich nicht nur knapp 4,4 Milliarden Euro bezahlen. Sie mussten sich auch verpflichten, beim Ausbau zunächst die ländlichen Regionen zu versorgen, die bis dahin überhaupt keinen schnellen Anschluss an das Internet hatten. Die LTE-Premiere in den Städten erlebte Deutschland dann durch Vodafone in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. Die Telekom startete ihr LTE-Netz für Städte dann im Großraum Köln. O2 ging in München an den Start. Mit LTE waren anfangs bereits Download-Geschwindigkeiten von bis zu 300 Megabit pro Sekunde möglich, zumindest in der Theorie. Mit LTE Advanced - dem echten 4G - stieg dieser Maximalwert sogar auf 1000 Megabit pro Sekunde. In der Praxis wurden anfangs aber nur Durchschnittsbandbreiten von rund zehn Megabit pro Sekunde erzielt. Aber auch das war schon spürbar schneller als eine UMTS-Verbindung. Inzwischen sind in einer nicht überlasteten Funkzelle auch im Alltag Turbo-Geschwindigkeiten möglich - jenseits der Schwelle von über 100 Megabit pro Sekunde. Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone, erinnert sich an die Diskussion vor zehn Jahren beim Übergang von 4G zu 5G: «Das ist eine Situation, die sich eigentlich immer wieder wiederholt. Damals wurde mir die Frage gestellt: «Wer braucht 4G, wenn er doch 3G hat? Wer braucht das?» Heute hören wir die gleiche Frage wieder: «Wer braucht 5G, wo es doch 4G gibt?» Und in zehn Jahren werden wir dann die Antwort hören: «Ja, natürlich braucht man das!» Man würde nie mehr wieder darauf verzichten.» LTE habe bestimmte mobile Anwendungen erst möglich gemacht, sagte Ametsreiter. «Netflix auf dem Smartphone in hoher Auflösung ist ohne ein schnelles Netz nicht denkbar.» Die Coronakrise habe aber auch deutlich gemacht, dass es nicht nur um Unterhaltung und Spiele gehe. «Schnelle, gute, stabile Netze sind derzeit so wichtig wie vermutlich noch nie zuvor.» Mit dem Beginn der Einschränkungen sei das Sprachvolumen im Vodafone-Netz blitzartig um 50 Prozent gestiegen.

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